Ottmar Hörl - Presse
Sueddeutsche.Zeitung 19.05.2009
Münchner Kultur
Das fliegende Schnitzel
Neue Kunstausstellungen - und die Termine der Woche
Goldig geht es auch in der Galerie Mathias Kampl zu. Kampl vertritt schon seit vielen Jahren den Nürnberger Bildhauer Ottmar Hörl, der dort auch Rektor der Kunstakademie ist und vor allem durch seine Multiples bekannt wurde. Hörl stellt etwa 1000 Plastikgartenzwerge auf öffentliche Plätze (zum Beispiel auch schon mal vor dem Münchner Nationaltheater), oder auch ganz besonders gerne Tiere in großer Stückzahl, die irgendwie zum Ort passen: so etwa Eulen in Athen zu den Olympischen Spielen, Hasen zum Dürerjahr in Nürnberg.
Bei Kampl sind nun eine Reihe dieser Multiples versammelt, unter dem Titel "Klondike". Passend zur Finanzkrise, denn am Fluss Klondike brach 1896 der große Goldrausch aus, der letztlich zur Inflation führte. Passend zum Klondike ist Hörls Menagerie aus Möpsen, Frischlingen, Hühnern, Hasen, Eulen, Fröschen, Raben und Pinguinen durchweg golden eingefärbt, ebenso wie der hübsche Stinkefinger-Zwerg (neben dem hitlergrüßenden "Giftzwerg" und einem weiteren mit betenden Händen), einem Schutzengel und einem Pferdekopf. Allein wegen der Präsentation - die Plastikfiguren sind auf einer weißen Showtreppe je nach Tierart stufenweise aufgereiht - ist die Ausstellung sehenswert. (Buttermelcherstraße 15, bis 20. Juni, Dienstag bis Samstag, 12-19 Uhr.)
Presseinformationen
Ottmar Hörl
26.06. 1998 - 20.08.1998
4000 Gartenzwerge begrüßen in diesem Jahr die
Festspielgäste am Max-Joseph-Platz vor der Oper. Eine
weitere Horde dieser Figuren (hier allerdings auf Socken und
als Auflagenobjekt, 250 pro Sorte) heißt in der Galerie Kampl
Besucher und die von den Kollegen präsentierten
"Übernamen" willkommen.
Ottmar Hörl, geboren 1950 in Nauheim, studierte 1975 - 1979 an
der Hochschule für bildene Kunst in Frankfurt, von 1979 - 1981
in Düsseldorf bei Prof. Klaus Rinke.
Hörls Defination seiner Arbeit als "Plastik als
Organisationsprinzip" wird sichtbar: Er bedient sich
vorgefertigter Gegenstände, die er aus ihrem konventionellen
Zusammenhang nimmt und denen er durch seine Art der
Zuordnung andere inhaltliche Ebenen verschafft.
"Es sind Spielregeln, die Ordnungssysteme, die in den
Materialien (Kunststofferigteile) und Werkzeugen (
Fotoapparate, Schablonen, Schränke) verborgen sind, auf die
er sein Augenmerk wirft, die er, ihrer logischen Struktur
folgend, zu Ende denkt und mit denen er neue Denkprozesse
anstößt. Spielregeln sind Ordnungsregeln, die hilfreich und
befreiend, die aber auch tyrannisch und absurd wirkenkönnen.
Thomas Knubben im Katalog "Materialprüfung"
| Klauen Sie sich Ihren Gartenzwerg |
Ganz vornehm , und ganz
und gar nicht vorgarten
- mäßig,nämlich in feierlichem
Schwarz-Weiß, marschieren
sie ab morgen vom Max-Jo-
seph-Platz die Stufen zum Na-
tionaltheater hoch, um die
Festspiel-Besucher zu begrü-
ßen: 4000 Plastikzwerge
(Foto) - einige blaue, rote und
grüne haben sichfrecherweise
auch unter die Menge ge-
mischt - aus der Werkstatt des
Frankfurter Künstlers Ottmar
Hörl. "Welcome to the festi-
val" heißt die Invasion unter
dem königlich Bayrischen
Reiterstandbild. Ein optisches
Signal für Peter Jonas' Kon-
zept: " Opfer für alle".
Ottmar Hörl hat schon im-
mer gerne die klassischen
Museumsgrenzen verlassen
und seine Multiple-Kunst pro
vokativ in den öffentlichen
Raum plaziert. ob bunte Be-
sen oder Plastik-Container,
der Künstler findet sein Mate- |
rial vor allem in den vorgefer-
tigten Dingen des Alltags, die
er in neuem Zusammenhang,
immer mit einer deftigen Pri-
se Humor, zum Staunen und
Erregen preisgibt.
Zwerge brachte Hörl auch
schon mal zum Einsatz: 1994
stellte er in Seligenstadt über

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Nacht 1000 blaue Garten-
zwerge ab, die am Ende von
den Bürgern des Ortes fast
alle geklaut wurden und in
den Vorgärten landeten. In
München sind die Opern-
Zwerge zwar auf Holzplatten
festgeschraubt, aber dennoch
mitnehmbar. Man wird se-
hen, wieviel Zipfelmützen
zum Ende der Festspiele noch
auf dem Platz stehen. 20 000
Zwerge gibt´s!
Wer "redlich" an Hörl-Ob-
jekte kommen will, der hat in
der Münchner Galerie Kampl
(Buttermecherstrasse 15) eine
Chance. Dort gibt es bis zum
31.7. eine Ausstellung, in der
auch 250 Zwerge im Kleinfor-
mat (39 Zentimeter hoch)
zum Preis von je 200 Mark zu
kaufen sind.
Tip: Zu den Festspielen ha-
ben alle Galerien der Maximi-
lianstraße am Sonntag, 26.7.,
außerplanmäßig von 10 bis 16
Uhr geöffnet. Gert Gliewe |
Abendzeitung, Mittwoch, den 24. Juni 1998, Festspiele Extra
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Ottmar Hörl
BERGE VERSETZEN
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Ottmar Hörl ist bekannt für
seine Kunstinstallationen im öffentlichen Raum. Seine Projekte
sind stets Auseinandersetzung mit gesellschaftlichen, politischen
und geschichtlichen Fragestellungen.
Dabei ist er weit davon entfernt, ideologisch oder gar zu argumentieren.
Hörls künstlerisches
Gestaltungsprinzip ist die serielle Skulptur. Als integraler
Bestandteil der Konsumindustrie verkörpert das Serielle ein
Strukturelement der modernen Gesellschaft. Hörl trägt dem
Rechnung, indem er es als konstitutives Moment in das System seines
plastischen Konzeptes integriert. Mit feiner Ironie reflektiert er
soziale Systeme. Seine Strukturen erzeugen Bilder, die man so noch
nicht gesehen hat. Mit der Stilisierung des Alltäglichen kommt
der Kunst dabei jenseits aller repräsentativen oder dekorativen
Funktionen eine zutiefst demokratische Aufgabe zu: Hörl will
Kultur einem breiten Publikum zugänglich machen, nicht
belehrend, sondern mit einem belustigenden Augenzwinkern die Kunst
aus dem Elfenbeinturm der intellektuellen Zirkel herausholen.
„Berge versetzen“ ist eine
temporäre Installation, deren Dauer auf das allmähliche
Verschwinden dieser Installation beschränkt ist. Auch hier
verwirklicht Hörl seine Gestaltungsprinzipien konsequent. Der
Gegensatz zwischen den Bedingungen eines großen Bahnhofes, die
geprägt sind von Dynamik, Mobilität, ständiger
Veränderung, Durchgangsstation aller Gesellschaftsschichten,
ohne Ansehen der politischen, kulturellen, sozialen oder ethnischen
Herkunft wird mit der Errichtung eines großen stilisierten
Berges als Symbol des Unverrückbaren, Ewigen sichtbar gemacht.
Durch die angebotene Möglichkeit, normierte Teile dieses gewaltigen Berges herauszulösen und die Reise mitzunehmen, schafft Hörl eine soziale Plastik an der tausende Menschen aktiv beteiligt sind.
Die Arbeit, die er als Bildhauer
geschaffen hat, löst sich in handliche kleine Teile auf und fügt
sich als Vorstellung in der Phantasie des Reisenden, der dieses Teil
weiterträgt, wieder zu einem Berg zusammen, an dessen
„Versetzung“ er aktiv beteiligt ist. Dabei versteht sich der
Künstler immer wieder als Impulsgeber von
Kommunikationsprozessen und regt zu veränderten Denk – und
Sehweisen an. Menschen, die mit seiner Arbeit in Berührung
kommen nehmen daran Anteil und werden somit Teil seiner Arbeit.
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