Rivka Rinn - Presse






Die Kamera als Zeugin des Augenblicks
Die Künstlerin Rivka Rinn in der Galerie Kampl einen Landeanflug auf Berlin
Rivka Rinn hat die Galerie Kampl in ei-
ne "Lightbox" verwandelt, die nachts
nach außen strahlt und tagsüber innen
leuchtet. Streng struckturiert durch Fens-
ter und Türrahmen der Ladengalerie, se
hen wir einen Landeanflug über Berlin:
Wolken, riesige Tragflächen über der
Schrägansicht einer Landschaft und ei-
ner krippenden Stadtsilhouette, als säßen
wir selbst im Flugzeug. Und doch wür-
den wir das Bild in Wirklichkeit so nie
wahrnehmen, weil es im Bruchteil einer
Sekunde bereits Vergangenheit wäre.
"Das Auge weiß bei hoher Geschwindig-
keit nicht was es sieht", sagt Rivka Rinn.
nur die Kamera taugt als Zeugin.
Das Thema von Rivka Rinn ist das
Spannungsfeld zwischen Realität und
Wahrnehmung. Dafür sucht sie eine "vi-
suelle Defination". Die Ausgangsfrage
lautet: "Was passiertzwischen dem Au-
genblick des Schauens und dem Knip-
sens?" Ihre Recherche beginnt deshalb
immer mit Schnappschüssen: Die Kame-

Verantwortlich: Karl Forster

ra, ans Flugzeug-, Auto- oder Zugfenster
gehalten, registriert das flüchtige Bild.
Das ergebnis ist eine seltsame Umkeh-
rung von Wirklichkeit: Der Mensch ver-
harrt im Stillstand, obwohl er fährt oder
fliegt, während die unbewegliche, ruhen-
de landschaft zu rasen scheint. Für das
erwünschte "velocity image", das Bild
der Geschwindigkeit an sich, liefern die
Schnappschüsse nur einzelne Parti_
kel". Zur neuen künstlicehn Realität
werden sie erst durch die Erfassung im
Computer, der sie ganz objektiv liest, ver-
größert und als "inkjet" ausdruckt. Für
die Lightboxes" macht die israelische
Künstlerin einen Entwurf, der sich kon-
kret auf die jeweilige Fenstersituation be-
zieht. Diesen lässt sie dann auf durchsich-
tige Folien drucken. Bislang wurden die-
se in der Herstellung teuren Folien di-
reckt auf die Glasscheiben geklebt; bei
Kampl sind sie jedoch auf riesige Plexi-
glasscheiben fixiert und so als mehrteili-
ges Bild weiter verwendet. Fenster-
und Türrahmen geben der flüchtigen Er-
scheinung einen festen Halt. Auf diese

Weise entsteht eine intensive Spannung
zwischen dem Statischen und Bewegten,
dem Fliehenden und Bleibenden.
Rivka Rinn, 1950 in Tel Aviv geboren,
verbringt ihr Leben als Reisende zwi-
schen den Welten. Von Tel Aviv führte
sie ihr Weg nach Wien, dann zurück nach
Israel, wieder nach Wien, dann nach Flo-
renz; zur Zeit lebt sie in Berlin und Rom
mit Abstechern nach Tel Aviv. Ihrer Aus-
bildung nach ist sie eingentlich Malerin,
und das ist in allen Arbeiten deutlich er-
kennbar. So sehr sie auf die Objetivität
des Computers beim Lesen ihrer Fotos
vertraut, so muss das Auge der Malerin
nicht nur beim Fotografieren selbst, son-
der auch bei der Auswahl und der Su-
che nach der idealen größe für das einzel-
ne Bild die Entscheidungen treffen. Sie
meint, dass sie das aus ihrem Kopf nicht
mehr heraus bringt. Warum sollte sie! Ist
doch die malerische Qualität ein nicht un-
bedeutender Teil der Gesamtqualität ih-
res Werkes. (Galerie Kampl, Buttermel-
cherstraße 15, bis 22 Januar. Telefon
21 93 82 00.) HANNE WESKOTT
Süddeutsche, 14.01.2000






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Rivka Rinn: Inter View, 16. September - 14. November 1998

Projektraum Berlin, Auguststr. 35, 10119 Berlin

Do-Fr 14-19 Uhr, Sa 13-18 Uhr



Seit einigen Jahren installiert die israelische Künstlerin Rivka Rinn an Fensterscheiben und Glastüren großformatige Fotoprints in Inkjet auf halbtransparenten Folien. Derartige Window Installations waren beispielsweise bereits im Düsseldorfer Kunstverein, bei Siemens, München (Büro Orange) und in der Galerie Fotohof in Salzburg zu sehen. Die Ausstellung Inter View Im Projektraum Berlin setzt diesen künstlerischen Weg fort.


Rivka Rinn, deren zentrales künstlerisches Thema die Geschwindigkeit ist, wird an der gläsernen Fassade der Galerie ein aus dem Auto aufgenommenes Foto einer Satellitenstadt in der israelischen Wüste anbringen und so in Berlins Mitte eine andere Stadt memorieren. Dieses Mal, im Projektraum, wird die Fensterinstallation noch eine räumliche Fortsetzung haben: Aus dem Fotoprint an der Fensterfassade wird ein Quadrat herausgeschnitten, das den Blick freigibt auf einen Monitor. Zu sehen sind auf dem Video Landschaften einer Reise. Motive, die in räumlicher Distanz zueinander stehen, werden gleichzeitig wahrgenommen. Das Fenster, Schnittstelle zwischen Außenwelt und Innenwelt (Inter-View), wird zur Verbindung von Vergangenheit und Gegenwart.


In der Ausstellung geht es um die Wahrnehmung eines transitorischen Zustandes und um die Rekonstruktion einer Fahrt und die Kluft zwischen dem, was das Auge physisch sieht, und dem, was subjektiv wahrgenommen wird.


Tagsüber wird das natürliche Licht das halbtransparente Fotoprint für die Galeriebesucher beleuchten und nachts wird die Aufnahme durch das künstliche Licht in der Galerie für die Passanten außen sichtbar sein.